Das Verschwinden der Mittelschicht / The Vanishing Middle Class / Museum für fremde und vertraute Kulturen (MuKul) aus Wien zu Gast im Kunsthaus Dresden mit zwei weiteren Sonderausstellungen

Lost Horizons und Lisl Ponger: Indian(er) Jones I-V (… it belongs in a museum)

20. September 2019 bis 12. Januar 2020

Mit welchen Bildern und welchen Beschreibungen andere Kulturen und deren Identitäten dargestellt werden, sei es in der Ethnologie, in der Alltagskultur oder der Kunst, das ist nunmehr seit vielen Jahren das zentrale Thema der österreichischen Künstlerin Lisl Ponger.
Das von Lisl Ponger über Jahre entwickelte fiktive Museum, das Museum für fremde und vertraute Kulturen, kurz MuKul, wird mit einer mehrteiligen Dauerausstellung im Kunsthaus zu Gast sein. Das Museum präsentiert eine Ausstellung zum Verschwinden der Mittelklasse. Mit den Mitteln der klassischen Rettungsethnologie zeigt es anhand einer großen Anzahl an Bildern und Objekten die Momentaufnahme dieser vom Verschwinden bedrohten Kultur.

Die Ausstellung zum Verschwinden der Mittelschicht gliedert sich in Räume, die Einblicke in unterschiedliche Themen und Zeitabschnitte geben. In einzelnen Kapiteln wie Der Aufstieg der westlichen Mittelschicht, Vom Spiel nach Regeln zum Ausspielen des Systems, Schaustücke für die Nachwelt werden sorgfältig zusammengetragene Schaustücke wie beispielsweise ein Null-Euro-Schein oder ein vergoldeter Golfball präsentiert. Neben der historischen Entwicklung des Mittelstandes wird auch das Verhältnis zu Nation, Demokratie und Kapitalismus in verschiedenen Ausprägungen untersucht, aber auch die Folgen von Steuerparadiesen und Bankenkrise und die global wirksame Dynamik neu aufstrebender Mittelschichten wie zum Beispiel in China.
 
Zwei Sonderausstellungen mit zeitgenössischen künstlerischen Positionen aus Nordamerika und Europa, Lost Horizons und Lisl Pongers Indian(er) Jones I-V (… it belongs in a museum) spiegeln parallel zur Dauerausstellung des Museums den verlorenen Glauben der Mittelschicht an einen möglichen wirtschaftlichen Aufstieg sowie den Umgang mit indigenem Wissen und dem Kampf um Land und Selbstbestimmung in den spätkapitalistischen Gesellschaften des 21. Jahrhunderts.

Sonderausstellungen Lost Horizons und Lisl Ponger: Indian(er) Jones I-V (…it belongs in a museum)

Für die von Lisl Ponger in Dresden für das MuKul kuratierte Sonderausstellung Lost Horizons (mit künstlerischen Beiträgen von David Bradley, Carole Condé + Karl Beveridge, Rajkamal Kahlon, Ryts Monet, Nicholas Galanin, Tim Sharp, Fred Wilson) erzählen internationale Künstler*innen aus Europa und Nordamerika mit den Mitteln der Gegenwartskunst Geschichten vom Umgang mit indigenem Wissen und vom Kampf um Selbstbestimmung. Der kritische Blick auf die musealen Präsentationen aus einer Perspektive auch jenseits von Europa thematisiert die Orientierungssuche – in diesem Fall verlorene Horizonte – und hinterfragt die Zukunftsfähigkeit ethnologischer Museen und Präsentationsformen.

Die Einzelausstellung der Künstlerin Lisl Ponger Indian(er) Jones I-V (… it belongs in a museum) zeigt erstmalig alle fünf Fotografien der seit 2010 entstehenden großformatigen Serie Indian(er) Jones. Indy, wie ihn seine Freunde nennen, kann noch ungehindert Reliquien, Goldobjekten oder Diamanten nachjagen, Hauptsache es sind seltene und wertvolle Artefakte. Nicht um Reichtum geht es ihm, ist er doch Wissenschaftler, ein bei näherer Betrachtung fragwürdiger, aber doch hochgeschätzter Ehrenmann hollywoodscher Prägung.
Der Protagonist in Lisl Pongers inszenierter Fotoserie hingegen, spielt noch ganz andere Rollen. Seine Pistole sichtbar platziert, hat Indian(er) Jones aka Konquistador Hernán Cortés unter anderem zahlreiche goldene Artefakte der Azteken und Mayas, das mexikanische Grundnahrungsmittel Mais sowie das Freihandelsabkommen NAFTA in einer ungleichen Pokerpartie gewonnen. In Sueños de Mundos Nuevos (Dreams of New Worlds) (2013) trifft er als Banker auf die mexikanische Frau Tod (La Muerte) und in Free Trade - A Pipe Dream (2019) findet er sich in einer Opiumhöhle wieder.
Wen auch immer Indian(er) Jones verkörpert, immer bleibt er auch der US-amerikanische Abenteurer und Hollywood-Held.
Am 9. Juli 2021 wird Steven Spielbergs Indiana Jones V mit dem 79-jährigen Harrison Ford in der Hauptrolle Premiere haben. Sollten sich die Gerüchte bewahrheiten, dass dieser im Bermuda Dreieck oder in Atlantis nach Schätzen jagen wird, muss wohl auch hier ein weiteres Kapitel zum Thema Restitution, das heißt der Rückgabe geraubter Kulturgüter, aufgeschlagen werden.

Gefördert durch die Sektion Kunst & Kultur des Bundeskanzleramts Österreich

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